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Wie der Phoenix aus der Asche

Der Club wurde auf Aschermittwoch 2005 gegründet.

Ansprache der Gründungspräsidentin anlässlich der Charterfeier am 12.November 2005

Liebe Gäste,

ein herzliches Willkommen im Theater Oberhausen zur Charterfeier des ZC Oberhausen-Rheinland. Mein Name ist Jutta Kruft-Lohrengel, und unsere Mitglieder haben mir die Ehre zuteil werden lassen, Gründungspräsidentin unseres Clubs zu sein. In dieser Funktion stehe ich nun vor Ihnen, um Ihnen unseren Club mit seiner Historie, seinen Zielen und Inhalten näher zu bringen.

Zuvor begrüße ich hier Madame Governor des Distrikts 29 Regina Smit aus den Niederlanden; Area Director Brigitte Siller, Co-Chairman of Zonta International Statur of Women Committee und Past Governor Gabriele Springer, Christa Feitzinger, Past Area Director und OMC-Chairman (was so eine Art Entwicklungs-helfer für neue Clubs ist), die Präsidentin des SOM-Clubs ZC Mönchengladbach II, Barbara Landen sowie Herrn Oberbürgermeister Klaus Wehling.

Weiter ist es mir ein wichtiges Anliegen, den Verantwortlichen des Theaters Dank zu sagen, da sie es uns ermöglicht haben, den Festakt in diesem außergewöhnlichen Ambiente begehen zu können. Sie sehen hinter mir die Kulisse der Witwendramen, was mit Zonta nur die Gemeinsamkeit hat, dass Witwen eben auch Frauen sind.

Außerdem danke ich im Vorhinein unseren musikalischen Begleiterinnen, den Kaktusblüten, die für ihre Darbietung auf ihre Gage verzichten.
Alle Mitglieder des Zonta-Clubs Oberhausen freuen sich über diesen heutigen Tag, und nicht nur, weil die vielfältige Arbeit für die Charterfeier nun hinter uns liegt.
Mit diesem Festtag sind wir einerseits in Oberhausen richtig angekommen, andererseits durch die Überreichung der Charterurkunde in den großen Kreis der Zonta-Clubs in aller Welt aufgenommen.

Inspiriert durch das Schauen ins andere Lager, nämlich zu den Lions, angestoßen durch ein Mitglied des ZC Mönchengladbach II und motiviert durch erste Gespräche hat sich ein kleiner Kreis von Frauen im März 2003 das erste Mal getroffen, um sich mit dem Thema Zonta-Club Oberhausen zu befassen. Die transportierten Ideen und die Antworten auf die vielfältigen Fragen, die damals gestellt wurde, motivierten diese fünf Damen zum nächsten Schritt, nämlich der Suche nach Frauen, die für eine Clubgründung und ein Clubleben in Frage kämen.
Sicher, wir sind hier nicht in Köln oder Hamburg, Großstädte, in denen es viele geeignete Kandidatinnen gibt; doch auch in Oberhausen und den anliegenden Städten finden sich bei näherem Hinschauen Frauen in Führungspositionen.


Bereits im Januar 2004 sahen wir uns nach vier Clubabenden in der glücklichen Situation, das erstes Tagungslokal verlassen zu müssen, da der Raum mit Platz für max 14 Personen zu klein wurde. Seitdem sind wir in der Restauration der Luise-Albertz-Halle zu Gast, und die Sorge, die Räume könnten für uns irgendwann nicht mehr reichen, wird uns durch das Vorhandensein des Saales Berlin mit 1.400 Sitzplätzen genommen.

Im Verlauf der nächsten Monate bemühten wir uns gemeinschaftlich um festere Strukturen, ein dem Abend übergeordnetes Thema, eine kleine Führungscrew, Protokolle, Anwesenheitslisten und um vieles mehr, das aus dem amorphen Gebilde eine Art Club werden lassen sollte. Ich zitiere aus dem Protokoll vom Clubabend im Februar 2004: Ferner möchte der Club anfangen, sich Aktivitäten auszuwählen und durchzuführen.
Die Zahl der Interessentinnen für unseren Club wuchs ständig, und so freuten wir uns im März 04 über 18, im Juli bereits über 22 regelmäßige Teilnehmerinnen.

Nachdem die für eine Clubgründung erforderliche Zahl von 20 Mitgliedern erreicht war, ließ unsere OMC Christa Feitzinger keine Gelegenheit aus, darauf hinzuweisen, dass die Zeit für die Gründung doch jetzt reif wäre.

Wir waren mit dem Erreichten jedoch noch nicht zufrieden. Auch wenn die Quantität stimmte, es fehlte die Qualität. Die äußere Struktur war für den Anfang nicht schlecht, doch wie sahen wir die Inhalte – Profil, Ziele, Projekte?

Im November vor einem Jahr fanden wir uns alle am Niederrhein zu einem Arbeits-wochenende zusammen, und wir erlaubten uns bei magerer Kassenlage den finanziellen Luxus einer externen Supervisorin. Die meisten von uns waren sich bewusst, für den Fall, dass wir uns nicht finden und Konsens in unseren Zielen und Inhalten erreichen sollten, das Vorhaben Zonta-Club Oberhausen bald in Vergessenheit geraten sein würde. Das Wochenende war ein Erfolg; wir erarbeiteten nicht nur unser Profil und legten die Richtung für ein erstes Projekt fest, am Abend lernten wir uns beim Wein und in gelöster Stimmung persönlich näher kennen, was ebenso wichtig war.

Eine letzte Hürde vor der Gründung: unsere zukünftige Satzung. Sie sollte einerseits unsere Wertevorstellungen widerspiegeln, andererseits aber auch entrümpelt und der modernen Gesellschaft angepasst sein. Lebhaft wurden vor allem die Fragen diskutiert: was heißt „hohe ethische Grundsätze“, wie soll die Aussage „Frauen von gutem Ruf und Charakter“ verifiziert werden? (Hinweis auf Falschparkerin)

Die Entwicklung unseres Clubs fand ihren ersten Höhepunkt mit der Gründung am 9.Februar 2005. Wir alle waren glücklich, die Voraussetzungen für diesen wichtigen Schritt erarbeitet zu haben und verlebten einen fröhlichen Abend – trotz Aschermittwoch.

Mittlerweile sind wir 25 Frauen, die Ihnen später noch persönlich vorgestellt werden. Soviel sei nur bereits jetzt verraten: seit der ersten Zusammenkunft konnten wir bereits vier Hochzeiten und ein Zonta-Baby feiern.

Soweit zu unserer Historie.
Wie sehen wir uns denn nun?
Die Beantwortung der Frage beginne ich mit dem Thema Service-Club allgemein.

In unserem Club wollen wir die vier Grundprinzipien verwirklichen, die allen Service-Clubs gemein sind.

Erstens das Handeln nach ethischen Grundsätzen, die sich alle aus den westlichen Werte- und Moralvorstellungen ableiten. Wir setzen uns für das Grundrecht auf Freiheit und Frieden für alle Menschen ein, weiterhin nennt unsere Satzung Toleranz, Gleichberechtigung unabhängig von Geschlecht, Abstammung, Sprache, Herkunft, Glauben oder politischen Anschauungen; Menschlichkeit; Solidarität und die Würde des Einzelnen.

Zweitens die Pflege des Freundschaftsprinzips, bei dem die hierarchische Stellung in den Hintergrund tritt und die Mitglieder sich aufgeschlossen und tolerant mit ihren geistigen Ausprägungen, kulturellen Interessen, ihrer Bildung und ihren Talenten, eben in ihrer Persönlichkeit, begegnen. Ohne dieses Prinzip kann keine Gemeinschaft dauerhaft erfolgreich sein. Nach der kurzen Zeit des Clublebens empfinden wir die freundschaftliche Begegnung als Bereicherung unseres Lebens.

Drittens die internationale Verständigung, die insbesondere vor den gewaltigen Herausforderungen der sich ändernden politischen Strukturen zunehmend an Bedeutung und Gewicht gewinnt. Jede von uns, die in „Zonta-Diensten“ schon gereist ist, hat sich über die offene und unkomplizierte Begegnung mit Französinnen, Russinnen, Engländerinnen und Niederländerinnen unter dem gemeinsamen Zonta-Zeichen gefreut.

Viertens das Serviceprinzip
Die erarbeitete berufliche und gesellschaftliche Stellung stellt für uns eine Verpflichtung dar, uns sozial zu engagieren, unsere Position des Leitens und Führens zu verlassen und uns mit Demut den Menschen zuzuwenden, die unserer Hilfe bedürfen oder unsere Förderung benötigen. Demut heißt im Lateinischen „humanitas“ und beinhaltet richtungweisend den Begriff Mensch. Dieses Prinzip entspricht den Clubzielen ebenso wie der alten christlichen Lehre (und damit gleichzeitig unserer Werteverankerung), wenn Jesus seinen Jüngern die Füße wäscht.

Basierend auf dem Servicegedanken möchten wir anderen Menschen und der Allgemeinheit „dienen“. Dabei stellen herausgehobene berufliche Stellung oder gesellschaftliches Ansehen für uns kein Hindernis dar, uns bei karitativen Projekten zu einzubringen und die Allgemeinheit im Rahmen einer Activity zu „bedienen“.
Gern gesehen ist bei uns dabei das hilfsbereite und kreative Mitglied, der gesellschaftliche Status tritt dagegen in den Hintergrund.

Der zweite Schritt zur Antwort: wie sehen wir uns – wendet sich der Frage zu: warum ein weiblicher Service-Club?

Eine jüngere Untersuchung „Wie gut ist Deutschland“ zieht Bilanz unter anderem zu der Frage nach den Chancen von Frauen, in der Wirtschaft Fuß zu fassen, nach ihrer Teilhabe in der Politik, ihrem Bildungsstand und ihrem allgemeinen Wohlbefinden. Hier liegt unser Land hinter den nordischen Ländern und noch hinter Großbritannien (von dem wir oft denken, die Uhren gehen dort 10 Jahre nach) an neunter Stelle.

Wir ärgern uns über Einkommensunterschiede bei gleicher Leistung im Beruf, sind entsetzt über häusliche Gewalt und Zwangsverheiratung, wünschen uns eine Anerkennung der Erziehungsarbeit, die die Mütter zu Hause leisten, arbeiten für eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie (damit das neue drei K: Karriere, keine Kinder unserer Gesellschaft nicht das Fundament entzieht) und motivieren junge Frauen, sog. typische Männerberufe zu ergreifen.

Alles, damit unsere Gesellschaft eine bessere wird, damit Konflikte entschärft werden und Kinder zu unserem Leben dazugehören können.

Wir verstehen uns dabei aber nicht als „Emanzen“, die den Mann als Feindbild haben und alles daran setzen, die Unterschiede zu egalisieren. Frauen sind
glücklicherweise anders als Männer und sollten sich dessen immer bewusst sein.

Wir sind stolz auf die besonderen Talente, die der Schöpfer uns Frauen geschenkt hat und wollen eine Wertschätzung unserer Empathie, Sensibilität, unseres Fleißes, unserer emotionalen Intelligenz und der Fähigkeit zum Multitasking erreichen.
Uns geht es weiter darum, unsere Kompetenzen einsetzen zu können für gleiche Lebensbedingungen und –chancen für Männer und Frauen,
für eine Gleichwertigkeit der männlichen und weiblichen Lebensentwürfe.

Dem Leitsatz von Zonta: Advancing the status of women worldwide fühlen wir uns verpflichtet; wir setzen uns dafür ein, die Stellung der Frau in wirtschaftlicher, rechtlicher und politischer Hinsicht zu verbessern.

Vor Ort hat jede unserer Mitgliedsfrauen erlebt, dass es auch in unserer hoch-entwickelten Industrienation noch viel zu tun gibt gemäß dem oben beschriebenen Leitsatz, und sei es auch nur die Arbeit an der uns entgegengebrachten Anerkennung. Mit Augenzwinkern erzähle ich Ihnen, dass eines unserer Mitglieder als Arbeitnehmerin bei einem japanischen Automobilhersteller mit den Worten „Null Flau“ vorgestellt wurde oder mir ein Mann in einem Bewerbungsgespräch auf die Frage nach den Verdienstvorstellungen antwortete: das bespreche ich besser mit Ihrem Mann (nebenbei gesagt: die Stelle hat der Bewerber nicht bekommen).

Die Antwort auf die Frage: warum ein weiblicher Serviceclub in Oberhausen fasse ich mit den Motiven unserer Mitglieder für einen Beitritt wie folgt zusammen: Da wird die gemeinnützige Arbeit mit der Möglichkeit des persönlichen Einbringens angeführt (wobei das Handeln wichtiger als das Spenden ist), die Bildung von Netzwerken für und durch Frauen, Mitarbeit in einer länderübergreifenden Organisation für Frauen, Kennenlernen anderer Frauen aus unterschiedlichen Berufsfeldern; das Gestalten einer Gruppe und Hilfe aus sich heraus für Frauen, ohne aufzuhören, sich weiterzuentwickeln. Das alles verknüpft und eingebunden in unseren Ort Oberhausen.

Bei der Auswahl der Förderprojekte orientieren wir uns an den von Zonta-International erarbeiteten übergeordneten Themen:
- Gewalt gegen Frauen;
- Gesundheit
- Ökonomischer Status (wirtschaftlichen Verhältnisse)
- Erziehung, Jugend, Entwicklung.
und unterstützen über unseren Mitgliedsbeiträgen und Spenden internationale Projekte; als Beispiel seien hier die Aids-Prävention in Niger oder die Hilfe für afghanische Frauen in Bildung und Gesundheitsfürsorge genannt.

Bei der Auswahl unseres ersten lokalen Projektes haben wir schnell einen Konsens bezüglich der Unterstützung des Vereins Frauen-helfen-Frauen erzielt, dem wir für die nächste Zeit mit Geld- und Sachspenden zur Seite stehen wollen. Über die Arbeit dieses Vereins wird Ihnen später Frau Hiltner-Gebauer (Frau Förster) mehr erzählen. Nur soviel an dieser Stelle: den dort rat- und hilfesuchenden Frauen fehlt es an mehr als der entgegengebrachten Wertschätzung.
Der Erlös der Tombola am heutigen Abend ist diesem Projekt gewidmet. Wer von Ihnen nachher im Rheinischen Industrie Museum ist, kann sich auf attraktive Gewinne freuen. Wer nicht dabei ist und trotzdem die gute Sache unterstützen möchte: am Ausgang befindet sich eine Spardose, die sich über die zweck-bestimmte Zuwendung freut.

Abschließend wünsche ich unserem Club nun ideenreiche und tatkräftige Mitglieder, spannende Projekte, ertragreiche Activities, interessante Clubabende und ein vertieftes freundschaftliches Miteinander, auf dass der Zonta Club Oberhausen-Rheinland auf eine glückliche Zukunft blicken kann.

Vielen Dank. Und nun bitte ich um Ihre Aufmerksamkeit für Herrn Oberbürgermeister Wehling, der uns das Grußwort der Stadt Oberhausen übermittelt.1

Spendenkonto

Kontonummer: 5320 3998

BLZ: 365 500 00

Stadtsparkasse Oberhausen

Vereinsregister 1662, Freistellung vom 05.10.2007 des Finanzamtes Oberhausen Nord , St.-Nr. 123/5722/1009

Presse

Bericht im Wochenanzeiger vom 23.06.2010

Bericht in der WAZ/NRZ vom 16.06.2010

Bericht in der NRZ vom 26.03.2009

Distrikt 29 Newsletter 02/09

Zitat

Hätte Gott die Frau dem Manne zur Herrin bestimmt, hätte er sie aus Adams Kopf genommen; hätte er sie ihm zur Sklavin bestimmt, aus den Füßen; aber er nahm sie ihm aus der Seite, weil er sie ihm zu Gefährtin als seinesgleichen bestimmte. (Aurelius Augustinus)

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