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Gedichte von Prof. Dr. Beningo Beltran, Pater Ben

Tagalog: Beningo Beltran; Deutsch: Engelbert Gross

Batang Tambakan: das Muellkind

Refrain
Dein Vater: zum Saufen fehlt ihm sein Fusel.
Deine Mutter: immer bringt ihr Arbeiten zum Leben zu wenig.
Jetzt musst du ‚ran: du musst in den Muell,
sonst wird dein Magen leer bleiben und weh tun.
Fuer dich ist da keiner, auf den du hoffen wirst können.
Dir sind sämtliche Wege versperrt.
Dir bleibt einzig der Traum: Ich moechte in Muellberg begraben sein!

Strophen
Dein Muellkorb, groesser als du.
Dein Muellhaken, voellig verrostet.
Dein Gesicht, eingehuellt gegen den Dreck und das Gift.
Deine Fuesse, umwickelt mit Lumpen.
Du musst auf den Berg, du musst in den Mist, ihn zu sammeln.

Deine Lungen verrusst, durch den Qualm des brennenden Abfalls.
Deine Augen gelb, entzündete Leber.
Dein Magen verfault, voller Wuermer.
Deine Fuesse verwundet, rostige Naegel und Scherben aus Glas.
Deine Haut verwuestet, zerkratzt und chemisch zerfleischt.

Viele Kameraden von dir hat der Muell verschluckt und begraben.
Andere hat die Planierraupe ueberrollt.
Dir selbst ist’s Gehirn zu Asche verfallen,
Drogen haben dich leer gemacht.
Dein einziges Sehnen ist ja:
Ich will nur eins: das ganze Elend bloss mal vergessen!

Bata! Bata! Ano ang panagarab mo? - Kind! Kind! Was für Aussichten hast du denn?

Refrain
Kind! Kind! Was mag dein Traum sein?
Wenn du gross bist, welche Zukunft erwartet dich da?
Die Strassen strotzen von Kindern wie du.
Muttermilch noch an den Lippen, bist du schon abgesackt in die Hoelle.

Strophen
Deine duennen Arme sind dir dein Kissen.
Deine Matte zum Schlafen ist ein Karton.
Da macht die Kaelte dich zittern.
Eine Karre als Bett,
durchloecherte Lumpen als Kleider,
die Muelltonne gestern als Speisekammer für dich.

Kinder der Strasse leben im Asphaltschluchten-Dschungel.
Hirne verwirrt, zerspringen beim Schnueffeln, bersten beim Rauchen der Droge.
Andere auf der Strasse versuchen Geschaefte mit Kaugummi, Zigaretten und Kram,
werden Opfer von Verkehr und Gewalt.
Mitten darin verkaufen Kinder sich selbst, ihren Leib an die geilen Freier.

Die Gesellschaft, voll von Leuten, die nichts hören, nichts sehen, nichts sagen.
Da gibt es keinen, der dein Schluchzen vernimmt und sich kuemmert.
Du bist die Hoffnung des Volkes,
doch das, was dir blueht, ist schrecklich und finster.
Wirbelnde Stuerme saugen dich auf,
gnadenlos frisst dich das Dunkel.

Buhay ng batang iskwater: Kinderdasein im Slum

Refrain
Herr je, wie ungewiss ist doch ein Dasein im Elendsquartier!
Immer wieder loesen sie auf dir die Bleibe.
Du baust eine Huette, vier Quadratmeter.
Dann kommt Polizei, ruecken Soldaten heran und treiben dich weg.
Doch jene, die hunderte Hektar Landes ergaunert, gestohlen:
die sind jetzt gewaehlt, die sitzen im Parlament.

Strophen
Mutti! Schon wieder Taifun!
Es regnet an tausend Stellen durch’s Dach.
Ueberall muessen wir schnell Eimer und Kannen hin stellen.
Der Fluss ist gefaehrlich gestiegen, boese und lebensbedrohlich.
Den Kleinen muss einer sich umbinden,
sonst reisst ihn das Hochwasser fort.

Mutti! Da kommt Polizei, eine riesige Menge!
Man hat unseren Antrag nicht bewilligt.
Nun demolieren sie alles.
Traenengas schiessen sie uns ins Gesicht.
Unsere Reihe, Hand in Hand, unsere Blockade brechen sie auf.
Bulldozer rollen heran, zerquetschen uns Huette und Dasein.

Mutti! Wach auf, beim Nachbarn brennt es!
Der Transformator dort ist explodiert.
Flammen verspruehen sich ueberall hin.
Die Feuerwehr kommt nicht durch,
wir haben die Zufahrt damals zu eng uns gebaut.
Alles brennt, alles verbrennt uns,
bis auf das, was wir tragen am Leib.

Bugbog sarado: den ganzen Leib zerschlagen

Refrain
Den ganzen Leib mir leblos gepruegelt,
Vater ist wieder besoffen.
Den ganzen Leib mir zu Tode geschlagen,
Mutter hat wieder verloren beim Spiel mit den Karten.
Unverletzt ist allein mir die Zunge.

Strophen
Julia starb, da heulten sie alle.
Doch vorher, als man sie schlug,
da hat sich keiner gekuemmert.
Ihr war ein Teller zerbrochen,
da haben sie das Kind in einen Muellsack getan,
ihn verschnuert und hin gehaengt an die Decke.
Sie griffen den Stock und droschen auf Julia ein.
Ihr Koerper, ihr Kopf: voller Wunden, so viele, so tief.
Der Arzt musste naehen und naehen.

Julia musste kochen, ihr brannte der Reis etwas an.
Da haben sie das Maedchen gezerrt,
ans Bettgestell gebunden mit einer Kette.
Den ganzen Tag lang hagelt es Schelte und Schimpf.
Sie zwingen das Kind, auf harten Bohnen zu knien, zu kriechen auf Salz,
dabei die Arme ewig in Schulterhoehe zu halten.
Heisses Buegeleisen brennt auf die Arme des Maedchens schmerzhafte Male.

Sie pruegeln und schlagen auf Julia ein.
Da brechen dem Maedchen die Rippen.
Seine Haut ist verletzt, mit gezuendeter Zigarette misshandelt.
So bestrafen sie Fehler.
Sie knallen den Kopf des Kindes gegen die Wand.
Jeden Hund behandeln sie besser als die eigene Tochter.

Bata, bata, halika!: Kleines, Kleines, komm‘ doch mal her!

Refrain
Kleines! Kleines! Weine nun nicht, ich mag dich doch so!
Ich kuemmere mich um dich.
Ich selbst bin ja immer so einsam.
Komm mit. Wenn nicht, werde ich masslos leiden.
Bitte, bitte, bitte: Streichele mich doch.

Strophen
Maedchen! Kleine! Komm her!
Magst nicht eine huebsche Puppe geschenkt?
Magst ins Kino?
Magst im Jollibee essen?
Magst Kleider gekauft bekommen?
Magst ein Haarband und Schuhe?
Kuess‘ mich nur,
ich werd‘ dir das alles bezahlen.

Junge! Kleiner! Komm her!
Siehst gut aus!
Ich gebe dir Geld,
geh’n wir zur Mega-Mall.
Spielst Basket, ich kauf dir den neuen Ball.
Schau, ich trag‘ ein Tatoo, hier am Schenkel.
Magst du es sehen?

Jetzt flenn‘ bloss nicht!
Das macht mich wuetend!
Verrat‘ deiner Mutter nur ja nichts,
das bleibt unser beider Geheimnis.
Wenn du petzt: ich werd‘ dir den Kopf vom Leibe reissen –
schau, wie bei der Eidechse hier.

Marka demonyo: teufliche Zeichen

Refrain
Anerkannt sein in der Gesellschaft,
in der Kirche regelmaessig sein,
erfolgreich im Geschaeft:
das ist des Menschen Lust und Betrieb.
Doch es wachsen aus dem Hirn ihm Hoerner der Suende,
nicht nach aussen, sondern nach innen.
Wuerde man wegreissen ihm seine Maske,
alle Welt koennte sehen:
Er ist ein Teufel, mein Vater!

Strophen
Mein Bett in der Nacht:
ich fuehl‘ mich in reissendem Meer,
im Toben der Wellen,
schrecklich im Finstern.
Es umkreist mich bestialisch ein Hai!
Er hat das Gesicht meines Vaters.

Es greift mich an ein Barrakuda!
Mit spitzem, scharfem, riesigem Gebiss greift er nach mir,
mich als Opfer ans Messer zu liefern fuer sich.
Niemand hindert seine Gewalt,
so wie mein Daddy, wenn er mich greift fuer sich.

Riesige Fangarme, die Krake!
Entsetzlich stinkend,
ekelhaft klebrig,
sie klammert mich,
genau wie mein Daddy, wenn er mich vergewaltigt.

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